Zyklen / Stadien

Phasen des Burnout-Syndroms

Wie verläuft ein Burnout?

Betroffene sind am Anfang häufig müde und abgespannt und entwickeln psychosomatische Beschwerden. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Freude an der Arbeit geht verloren, das Wohlbefinden leidet und es fehlt die Energie für das Pflegen von Beziehungen. Schliesslich verlieren sie das Vertrauen in die eigenen
Fähigkeiten und fühlen sich als berufliche Versager.

 

altProblematisch ist, dass sich das Burnout-Syndrom nicht ankündigt. Vielmehr schleicht es sich quasi durch die Hintertüre in das Leben der Betroffenen. Allenfalls lässt sich feststellen, dass die Betroffenen immer weniger Zeit haben und nutzen, um ihre sozialen Kontakte zu pflegen.

Einige dieser beispielhaft aufgeführten Symptome, können als Selbstschutzmechanismus verstanden werden. Wer sich von seinen Klienten ein Stück weit distanziert, erreicht möglicherweise ein stress- und frustrationsfreiere Arbeitssituation.

Die Entwicklung des Burnout-Syndroms ist im 12-stufigen Zyklus nach Herbert Freudenberger besonders anschaulich beschrieben:

Verlaufsphasen von Burnout im Überblick

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Quelle: Magazin Gesundheit Sprechstunde 13/2009

 

1. Der Zwang sich zu beweisen

Dieses Stadium im Burnout-Zyklus ist am schwierigsten zu erkennen, da der Wunsch erfolgreich zu sein, im Grunde positiv ist. Gewinnt der Wunsch jedoch zuviel an Dynamik und wird die Verbissenheit zu stark - wird der Wunsch zum Zwang, ausgelöst durch übertriebene Erwartungen an sich selbst.

2. Verstärkter Einsatz

...entsteht häufig aus der Angst die Kontrolle zu verlieren. Sorgfalt, Perfektionismus und Engagement werden zwanghaft. Ebenfalls typisch für diese Phase ist die Unfähigkeit zu delegieren.

3. Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

Die Arbeit bzw. Ihre Aufgabe hat Sie voll im Griff. Die kleineren alltäglichen Pflichten und Freuden empfinden Sie als lästig und störend. Zum Beispiel werden Pausen als überflüssig erachtet, die Ernährung als nebensächlich angesehen oder der Körper vernachlässigt.

4. Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Sie bemerken zwar, dass etwas ganz und gar nicht mehr stimmt und die Vernunft sagt Ihnen, dass Sie zurückfahren müssen aber Sie stellen immer wieder Ihre Bedürfnisse hinter den Anforderungen an das 'Grosse Ziel' zurück. Die Heimlichkeiten und das Zurückziehen beginnen, denn niemand darf wissen, wie es Ihnen wirklich geht. Häufig entstehen in dieser Phase Süchte.

5. Umdeutung von Werten

Emotional ist diese Phase von Desorientierung geprägt. Ein häufiger Auslöser ist hier ein gestörter Zeitbegriff. Die Belastung, der Druck ist jetzt so hoch, dass Vergangenheit und Zukunft ausgeblendet  werden müssen und nur die Gegenwart zählt. Dadurch geht die Relativität der Ereignisse verloren, Wichtiges ist von Unwichtigem nicht mehr zu trennen.

6. Verstärkte Verleugnung auftretender Probleme

Die Verleugnung ist hier als Schutzmechanismus zu verstehen und ist zumeist ein unbewusster Prozess. Die Verleugnung verschleiert den Burnout-Prozess. Die subtilen Vernachlässigungen der persönlichen Bedürfnisse verstärken sich, wie auch der Zynismus.

7. Rückzug

Die Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit nehmen überhand. Die Desillusionierung und emotionale Verflachung ist vorherrschend und Sie ziehen sich vor sich selbst und der Welt zurück.

8. Beobachtbare Verhaltensänderung

Der Rückzug verstärkt sich noch weiter und Sie fühlen sich von jeder Zuwendung angegriffen. Die Unterscheidungsfähigkeit ist weitgehend gestört, was Unterstützung, Aufmerksamkeit und Nähe angeht.

9. Depersonalisation

Hier entsteht der Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit und damit geht auch der letzte Rest des Erkennens eigener Bedürfnisse verloren. Daraus folgt eine tiefe Selbstverneinung, die sich auf den eigenen Körper und die eigene Person bezieht.

10. Innere Leere

In dieser Phase entstehen häufig schwere Phobien und Panikattacken. Das Gefühl der inneren Leere ist kaum zu ertragen, die Betroffenen fühlen sich nutzlos, ausgezehrt, erledigt - kurz, einfach fertig. Um diesen Zustand noch halbwegs auszuhalten, es gibt noch immer den schwachen Wunsch irgendwie aufzutanken - wird hier häufig zu Drogen und Aufputschmitteln gegriffen.

11. Depression

An diesem Punkt ist einem einfach alles egal. Die Verzweiflung und die Erschöpfung haben das Ruder vollends übernommen und sind oft die einzigen wahrnehmbaren Gefühle. Die Initiative und Motivation sind am Nullpunkt angekommen, die Depression ist manifest geworden. Ein starkes Symptom ist hier der Wunsch nach Dauerschlaf - erste Suizidgedanken tauchen auf.

12. Völlige Burnout-Erschöpfung

Die geistige, emotionale und körperliche Erschöpfung wird hier lebensgefährlich. Es gibt kein 'Ich' mehr, die ursprünglichen Zwänge haben sich aufgelöst und damit der Sinn weiterzuleben. Häufig bricht hier auch das Immunsystem zusammen. Dieses Stadium ist eine ernsthafte Krise! Bitte lassen Sie sich helfen - es handelt sich um einen absoluten Notfall!

 


Weitere Phasendefinitionen

1. Anfangsphase Begeisterung und Idealismus: überhöhter Energieeinsatz, Erschöpfung
  2. Reduziertes Engagement für Klienten, Patienten, für die Arbeit: Desillusionierung, Distanz, Unfähigkeit zu geben, Zynismus, Überdruss, Fehlzeiten und auch Gefühl, ausgebeutet zu werden
    3. Emotionale Reaktionen - Schuldzuweisungen, Depression oder Aggression: Schuldgefühle, reduzierte Selbstachtung, Angst, Abstumpfung, Pesimismus, Apathie sowie auch Vorwürfe an andere, Ungeduld, Intoleranz, Reizbarkeit, Ärger, Misstrauen, Konflikte
      4. Abbau der mentalen Leistungsfähigkeit, der Motivation und der Kreativität: Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ungenauigkeit, Desorganisation, Unfähigkeit zu klaren Anweisungen, verringerte Initiative, Dienst nach Vorschrift, verringerte Phantasie, rigides Schwarz-Weiß-Denken
        5. Verflachung des emotionalen, sozialen und geistigen Lebens: Verflachung der Gefühlsreaktionen, Gleichgültigkeit, Meidung informeller Kontakte, Einsamkeit, Aufgabe von Hobbys
          6. Psychosomatische Reaktionen - Auswirkungen auf die Gesundheit: Schwächung Immunsystem, Schlafstörungen, Herzklopfen, Atembeschwerden, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, nervöse Tics, mehr Alkohol/Tabak oder Drogen
            7. Verzweiflung: negative Lebenseinstellung, Hoffnungslosigkeit, Selbstmordabsichten, exixtenzielle Verzweiflung
Tabelle: Burnout-Symptomatik als Phasenmodell (Quelle: Burisch 2006)

Weiter kann man den Verlauf des Krankheitsbildes in drei aufeinander folgenden Stadien einteilen:

Burnout-Stadium 1

altDas Erkrankung Burnout-Syndrom beschränkt sich zunächst auf einen ständigen Wechsel zwischen Überaktivität und völliger Erschöpfung. Zumeist werden die Warnsignale überhört. Die Betroffenen investieren weiterhin ein Maximum an Energie in ihre Aufgaben, ohne sich eine ausreichende Regeneration zu gönnen. Der Umgangston gegenüber Untergebenen und Kollegen lässt mitunter in zunehmendem Masse zu Wünschen übrig.

Burnout-Stadium 2

In dieser Phase des Burnout-Syndroms beginnt der Kranke zunehmend abzustumpfen.

Er zieht sich mehr und mehr zurück und kapselt sich ein.

Resignation beginnt sich breitzumachen. In dieser Phase kündigt sich bereits ein Motivationsverlust an, welcher überleitet zu

Burnout-Stadium 3

In diesem Station des Burnout-Syndroms beginnen die Leistungen mehr und mehr zurückzugehen. Der Kranke isoliert sich zusehends.

Das fehlende positive Feedback infolge seines Leistungsverlustes treibt ihn zusehends tiefer in die Isolation und damit in einen Teufelskreis, aus dem es aus Sicht des Betroffenen kein Entrinnen zu geben scheint.

 

Zusammengefasste Symptome in 8-Stufigem-Phasen-Modell (Schweregrade):

  1. Überengagement
  2. Subtile Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse -> Mehr Arbeit, Zynische Haltung
  3. Psychiser Verfall (Sackgasse), Hilflosigkeit, andere täuschen
  4. Verlust der Leistungsfähigkeit, Dienst nach Vorschrift
  5. Gleichgültigkeit, Verflachung emotionalen Erlebens, Alkoholmissbrauch
  6. Körper macht schlapp, psychosomatische Beschwerden
  7. Depression, Verzweiflung, Psychosomatische Reaktionen (Verdauungs-, Schlafstörungen, Aggressivität
  8. Suizidgedanken