Eine Modekrankheit?

Eine Modekrankheit?

Burnout - Krankheit des 21. Jahrhunderts?

In den vergangenen Jahren der Begriff "Burnout" enorm an Popularität gewonnen. Die Frage lautet: Muss man sich nun Sorgen machen? Oder wird hier ein Phänomen nur künstlich aufgeblasen?

Egal, ob es um Stress am Arbeitsplatz und Stressbewältigung geht, um chronische Überlastung und Work Life Balance, um Mobbing und den Umgang mit Konflikten: Selten wird die Gelegenheit ausgelassen, auf das Burnout Syndrom hinzuweisen.

Zugegeben: Nicht ganz zu unrecht. Chronischer Stress, Überlastung, Mobbing, andauernde Konflikte, Perspektivlosigkeit und vieles mehr können tatsächlich zu einem Ausbrennen führen! Allerdings vernebelt dieser allzu inflationäre Gebrauch des Begriffs die Sicht auf die eigentliche Problemlage!

  • Burnout kennzeichnet einen Erschöpfungszustand.
  • Er vollzieht sich als schleichender Prozess über einen längeren Zeitraum.
  • Als burnoutgefährdet gelten vor allem Beschäftigte in helfenden und kreativen Berufen.
  • Zunehmend sind jedoch auch andere betroffen, beispielsweise Beschäftigte, von denen eine extreme Leistungsverausgabung verlangt wird oder die endlose Frustrationen in ihrem Job erleben.
  • Hoher Arbeitsdruck, starke emotionale Belastungen und eine defizitäre Arbeitsorganisation zählen zu den Ursachen.
  • Durch Präventionsmassnahmen lassen sich Burnoutrisiken mindern.

Trotz vielfältiger Forschungsvorhaben ist das Burnout-Syndrom noch nicht als Krankheit anerkannt.

Das Burnout-Syndrom ist der Endzustand eines langen Entwicklungsprozess. Es kommt also nicht plötzlich dazu, dass sich Menschen ausgebrannt fühlen und unter Burnout leiden.

Ein Burnout-Patient befindet sich im Zustand extremer emotionaler Erschöpfung und verfügt nur über eine deutliche reduzierte (körperliche und geistige) Leistungsfähigkeit.

Die Entwicklungslinie beginnt oftmals mit idealistischer Begeisterung und dadurch bedingen sich viele frustrierende Erlebnisse. Langsam kommt es immer mehr zu Desillusionierung und Apathie. Psychosomatische Erkrankungen sind oft die Folge des Burnout. Dazu gesellen sich Depressionen, Aggressivität und eine erhöhte Suchtgefahr. Aber nicht jeder Burnout-Patient hat den gleichen Erkrankungsverlauf und auch nicht die gleichen Symptome.

In jedem Falle muss das Burnout-Syndrom fachärztlich und durch Psychologen behandelt werden.

>> Erklärungsansätze

Büromenschen

Verschiedene Faktoren beeinflussen uns unbewusst tagtäglich und sind unter anderem Auslöser von unserem Fehlverhalten, welches wir als Stress interpretieren. Die heute weit verbreitete indirekte Kommunikation via E-Mail, Handy, Facebook, Internet, Druck und hohe Erwartungshaltung im Berufsleben erwirkt, dass wir ständig auf Handy schauen - wenn da kein Anruf in Abwesenheit oder ein neues SMS angezeigt wird, schauen wir ins E-Mail Postfach und obwohl in der letzten Stunde wieder 30 neue Mails hinzugekommen sind, die abgearbeitet werden müssen, schauen wir noch unbedingt ins Internet und lesen den Nachrichtenticker, was in der letzten Stunde noch so alles geschehen ist.

altUnsere Gedanken und die aus dem "schnell reinschauen" entstandenen Todo's springen dann in unseren vollen Köpfen wie verrückt hin und her, sind unentschlossen, was man jetzt noch schnell und dringend vor der nächsten Sitzung in 5 Minuten erledigen soll und muss, doch dabei verzettelt man sich nur und ist genau gleich weit wie wenn man einfach entspannt sich auf die Sitzung vorbereitet hätte, ohne noch so schnell-schnell alles in sich aufzusaugen.

Ein Verhalten, dass wir alle kennen, bei dem wir uns schon fast zwanghaft verhalten, jedoch es einfach nicht sein lassen können.

Wann haben Sie zum Beispiel ausserhalb des Flugzeuges zum letzten Mal Ihr Handy ganz ausgeschaltet und nicht nur auf lautlos gestellt? Ist es nicht viel entspannter oder fühlt es sich nicht stressfreier an, wenn mann nicht ständig vom eigenen Handy "verfolgt" wird?

Büromenschen bewegen sich zudem tagsüber weitaus weniger als es die Menschen früher in aktiveren Berufen wo nicht nur die Finger zum Tippen benutzt wurden früher getan haben und so gerät die natürliche Vitalität durch den Bewegungsausgleich ins Ungleichgewicht, was wesentliche Faktoren als mögliche Ursachen von Burnout nach sich zieht (Depression, Gewichtszunahme, Trägheit, Müdigkeit, sinkendes Selbstwertgefühl, Lustlosigkeit, Desinteresse, Vernachlässigung sozialer Kontakte etc.).

altDeshalb ist die Aktivitätstherapie ein idealer erster Ansatz, der hervorragend auch selbst umgesetzt werden kann (siehe Tipps und Anleitungen). Durch aktive und regelmässige Bewegung fühlt man sich schon bald automatisch wohler, die Lebensgeister werden geweckt und die Batterien werden wieder aufgeladen - entgegen der Meinung, dass man bei aktueller körperlichen Erschöpfung ja nicht noch mehr Aktives leisten mag. Die natürliche Vitalität wird wieder rasch hergestellt, hat man einmal den sogenannten inneren Schweinehund überwunden.

Soziale/helfende Berufe

Helfende Berufe

altBurnout ist besonders verbreitet in den sogenannten "sozialen und helfenden Berufen". Dazu zählen vor allem Mitarbeiter/-innen in Krankenhäusern, Heil- und Pflegeeinrichtungen o.ä.. Es sind Beschäftigte, die soziale Kommunikation, Hilfsbereitschaft und menschliche Anteilnahme "berufsmässig" ausüben und dabei emotional stark gefordert werden. Pfleger, Krankenschwestern und Sozialarbeiter/-innen geben ständig emotionale Zuwendung, die sie nicht unbedingt zurückerhalten. Wer in einer solchen Arbeitssituation zehn oder gar zwanzig Jahre zubringt, stösst oft an Grenzen, wo er selbst dringend aufladen müsste. Gelingt das nicht, kommt es zum Burnout. "Gefühlsarbeit" leisten auch Berater und Beraterinnen, Therapeuten und Therapeutinnen, Ärzte, Ärztinnen, Lehrende, Erzieher, Call-Center Agents oder Sekretärinnen. Auch sie gelten als burnout-gefährdet wenn z.B. ein hoher Anspruch durch einseitiges Geben und die Arbeitsumstände ständig frustriert wird.

Immer mehr Berufsgruppen sind burnout-gefährdet

Inzwischen spricht die psychologische Wissenschaft von einem Burnout anderer Art, das vor allem bei Personen in kreativen Berufen beobachtet wurde. Betroffen sind EDV-Spezialisten, Journalisten, Journalistinnen, Architekten oder Architektinnen usw. Als ständige "Ideenproduzenten" laufen sie ebenfalls Gefahr "auszubrennen".

Ungünstig fördernde Bedingungen finden sich wohl auch in Grossbetrieben und grossen Verwaltungen, wo bürokratische Hemmnisse, der "Papierkrieg", Intransparenz und ein hohes Mass an Kontrolle die Autonomiebedürfnisse und die Fähigkeiten der Menschen mit Dienstleistungsaufgaben auf Dauer frustrieren können.

Arbeiten ohne Ende

altNeuerdings registrieren Wissenschaftler eine neue Qualität der Burnoutgefahren: Das Syndrom sei in sämtlichen Jobs anzutreffen. Im Arbeitsprozess stünde zunehmend die totale Verausgabung aller menschlichen Ressourcen auf der Tagesordnung und werde die gesamte Persönlichkeit gefordert.

Die Arbeitszeit kennt häufig keine Grenzen mehr. Energiereserven bleiben dabei auf der Strecke. Erholung gelingt nicht mehr.