Stressbewältigung

Stressbewältigung

Schritte zur individuellen Stressbewältigung

In der Burnout-Spirale bleibt der Organismus in ständiger Alarmbereitschaft. Bei sehr langen Stressphasen kommt das automatische Abregeln ins Stocken, der Betroffene hat das Gefühl, überhaupt nicht mehr abschalten zu können. Körperliches Ergebnis dieses dauerhaften Alarmzustandes: Abnutzungserscheinungen im Organismus und ein geschwächtes Immunsystem. Unser Körper ist zwar hervorragend für kurze Stressmomente ausgelegt, aber auf Daueranspannung reagiert er langfristig mit Gesundheitsschäden.

 

Jeder Stressverlauf ist individuell
Stress ist eine ausgesprochen subjektive Angelegenheit. Eine belastende Situation oder ein belastendes Ereignis führt nicht automatisch bei allen Menschen zu identischen Reaktionen. Entscheidend sind die persönlichen inneren Filter bestehend aus Vorstellungen, Erwartungen, Muster, Werten und Glaubenssätzen.

Nicht nur die Ursachen sind individuell, auch die „Bühne“: Rücken, Kopf oder Magen. Um rechtzeitig auf anfangs unbemerkten Stress reagieren zu können, ist es für den Einzelnen immens wichtig, seine persönlichen Ausdrucksformen von Stress zu kennen.

1. Sensibel werden und sich informieren

Der erste Schritt ist schon getan: wer sich über Stress informiert, ist bereits sensibel und nimmt Stress bewusst war. Viele merken es garnicht und kennen auch ihre riskanten Bewältigungsstrategien nicht.  

  • Die aktive Auseinandersetzung mit der Arbeitssituation und körperlichen und psychischen Erleben ermöglicht es, Stress bewusst wahrzunehmen. 

2. Ursachen analysieren

Zuerst einmal ist es wichtig, die Ursachen des persönlich erlebten Stress zu analysieren. Denkbare Stressoren können sein:

  • Arbeitsorganisation, mangelhafte Abläufe und Schnittstellen, Unklarkeiten 
  • Arbeitsaufgabe
  • Arbeitsmenge
  • Kommunikation 
  • Führungsstil
  • Arbeitsumgebung, z. B. Lärm
  • EDV-System

aber auch

  • das persönliche Wertesystem, das nicht ins Unternehmen passt
  • unangemessene Erwartungen
  • Rollenkonflikte
  • Über- oder Unterforderung

Grundsätzlich bestehen zwei Ansatzpunkte, Stress zu begegnen und ihn abzubauen. Man kann

  1. an den Umständen, die zu Stress führen etwas ändern (Verhältnisprävention) oder
  2. seine eigenen Verhaltensweisen (Verhaltensprävention) verändern.

 

Drei Schritte zur Bewältigung

  1. Die Situation den eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten anpassen
  2. Die Situation momentan akzeptieren, wenn es nicht anders geht
  3. Sich von der Situation trennen, wenn Schritt 1 und 2 nicht zu verwirklichen sind.  

Hoher Stress erfordert eine schnelle Lösung der Probleme. Im Betrieb ist dies selbstverständlich nicht alles so einfach.

3. Problembezogene Bewältigungsstrategien wählen

Wirksam ist die Bewältigung von Stress mit einer problembezogene Strategie. Dazu müssen die Umstände sachlich bewertet und angemessene Lösungsschritte und Reaktionen geplant und getätigt werden. Änderungen der Verhältnisse und des Verhaltens sind dabei möglicherweise gleichzeitig sinnvoll.

 

Dies sollte schnell passieren. Wird eine stressige Situation lange ausgehalten, wird ständig Anpassungsenergie verbraucht, chronischer Stress ist gesundheitsschädlich. 

 

Problembezogene Bewältigungsmuster sind: 

  • Änderung der Arbeitsstrategie, z. B. Kurzpausen einlegen und bewusst entspannen
  • Erwerb neuer Kompetenzen z. B. Zeitmanagement umd Termindruck zu mindern oder soziale Fähigkeiten
  • Aussprache bei Konflikten evt. mit Mediatoren oder einem Coach
  • Veränderung der Arbeitsorganisation z. B. Neuverteilung von Aufgaben im Team
  • Anforderung von Hilfe, Gespräch mit Vorgesetzten über Arbeitsziele

4. Individuelle Fähigkeiten und Einstellungen stärken

Viele merken nicht, dass sie durch Stress gesundheitlich beeinträchtigt sind. Häufig sind die Folgen nur in der Freizeit spürbar allgemein spürbar: durch Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Energieverlust. Erster Schritt ist deshalb die Aufklärung über Stress und seine Wirkungen. 

 

Persönliche Stressprävention geschieht durch:

  • Aufklärung und Information
  • neue Einstellungen finden: Distanz zu den Dingen gewinnen, sich nicht an den Problemen festbeissen
  • Zeitmanagement und Selbstmanagement
  • das innere Gleichgewicht pflegen, Entspannungstechniken nutzen Entspannungstechniken
  • rechtzeitige und ausreichende Pausen einlegen
  • für ausreichende Bewegung sorgen, Sport treiben
  • das eigene Selbstwertgefühl stärken
  • Zufriedenheitserlebnisse und persönlichen Freiraum schaffen
  • zu anderen ein positiven Verhältnis entwickeln
  • Selbstüberprüfung: "hausgemachten Stress" abbauen

 

Folgende Fragen können helfen:
  • Wo mache ich aus einer Mücke einen Elefanten?
  • Ist alles wirklich so schlimm, wie ich gerade denke?
  • Bin ich wirklich so wehrlos, wie ich mich fühle?
  • Sind meine eigenen Ansprüche angemessen? Kenne ich wirklich meine Kräfte?
  • Sehe ich auch die positiven Seiten der Situation?  

Hier geht es um die Umbewertung der Situation. Für Dienstleistungs- oder Sozialberufe (Beratung, Unterricht, Pflege, Call Center ...), die mit anderen Menschen arbeiten, gilt ein "distanziertes Engagement" - so nennt es die Burnout-Forscherin Christina Maslach 1982 , als langfristig am empfehlenswertesten. Damit wird genügend Engagement für eine befriedigende Berufsarbeit gesichert ohne Gleichgültigkeit aufkommen zu lassen. Humor und spielerisches Herangehen kann helfen in Berufssituationen, in denen die dort Tätigen den Ausgang ihres "Projekts" nicht voll in der Hand haben und damit stressgefährdet sind.

Persönliche Ressourcen aufbauen

Stressursachen müssen abgebaut werden. Ebenso wichtig ist es, die eigenen Ressourcen langfristig zu stärken, um Stresssituationen zu bewältigen. Dazu gehört es: 

  • Handlungsspielraum erweitern, um das Arbeitstempo oder die Arbeitsschritte je nach Müdigkeit und Motivation variieren zu können. Konzentrationsaufwendiges kann selbstbestimmt dann erledigt werden, wenn nicht dauernde Kundenanrufe "nerven". Stress wird vermieden.
  • Soziale Unterstützung und Rückendeckung organisieren. Gutes Betriebsklima stellt ein Stresspuffer dar. Auch emotionale Stärkung im Privatleben spielt dabei eine wichtige Rolle. Wo die gegenseitige soziale Hilfe in der Arbeit funktioniert und auch mal über Ärger geredet werden kann, können Stresssituationen besser überstanden werden. "Geteiltes Leid ist halbes Leid" drückt dies deutlich aus. Damit werden negativen Folgen für die Gesundheit gemindert oder vermieden.
  • Selbstvertrauen, soziale Handlungskompetenz, Konfliktfähigkeit, Problemlösungsfähigkeit aufbauen. Sie gehören zu den persönlichen Ressourcen, die durch Weiterbildung gefördert werden können. Sie erweitern für jeden den Spielraum und damit die Möglichkeiten zur Veränderung von Stresssituationen. So gestärkt, werden hohe Anforderungen nicht mehr als verunsichernd erlebt, Stress entsteht erst garnicht.
  • Ohne die Fähigkeit Grenzen zu setzen und mit den persönlichen Kräften zu haushalten, geht es nicht. Viele Berufstätige haben heute ausreichend Autonomie am Arbeitsplatz, sie schaffen es vor dem Hintergrund von Kennziffernvorgaben, Projektbedingungen oder Leistungszulagen aber nicht, gesundheitszuträgliche Arbeitszeiten und eine ausgeglichene Balance von Arbeit und Privatleben zu sichern. 

Betriebliche Strategien

Zu hoher Stress am Arbeitsplatz ist kein individuelles Problem. Es liegt in der Verantwortung des Unternehmens, dass psychische Belastungen und Stress nicht überhand nehmen. Zum betrieblichen Gesundheitsschutz gehört die Analyse und Bewertung von Stressfaktoren und die humane Gestaltung von Arbeitsbedingungen. Organisations- und Personalentwicklung setzen hier an.

 

 

Beispiele für betriebliche Massnahmen gegen Stress

  • Personalentwicklung in Verbindung mit Gesundheitsförderung:   Weiterbildung zur Stärkung der sozialen und personellen Kompetenz im Umgang mit Stress, Zeitmanagement, Aktive Entspannung, Einstellungsänderungen.
  • Arbeitsabläufe verbessern:   Zeitspielräume einkalkulieren, Arbeitsintensität verringern, ständige Arbeitsunterbrechungen beseitigen, für regelmässige Pausen sorgen, sowie für klare Arbeitsanweisungen, klare Tätigkeitsbeschreibungen und Kompetenzdefinitionen, Begrenzung von Überstunden, selbstbestimmte Zeitkontingente, familienfreundliche Gleitzeit.
  • Arbeitsumgebung gesundheitsgerecht gestalten:   Massnahmen zur Lärminderung, gute Beleuchtungsqualität (indirektes Licht), gutes Raumklima und Behaglichkeit, helle Arbeitsumgebung und Pflanzen sorgen für positive Stimmung.
  • Qualität der Arbeit steigern:   Handlungsspielräume erweitern, Entscheidungsmöglichkeiten schaffen, interessante und vor allem abwechslungsreiche Arbeit mit einer guten Mischung von verschiedenen Beanspruchungen (Konzentration, Kreativität, Routine).
  • Betriebsklima pflegen:   Kommunikation, Kooperation und Information verbessern, Rückmeldungen durch Vorgesetzte, durchschaubare Strukturen schaffen, Konflikte aktiv angehen.
  • Qualifizierung der Beschäftigten:   Ausreichende Einweisung und Ausbildung, Beschäftigte ihrer Qualifikation entsprechend einsetzen, Personalentwicklung, Angebote für Zeit- und Selbstmanagement.
  • Führungskräfte qualifizieren: Führungskräfte sind mehr denn je gefragt, für angenehme Arbeitsbedingungen und Motivation beim Personal zu sorgen. Denn steigende Anforderungen, wachsende Arbeitsintensität bei sinkender Personaldecke sollen bewältigt werden. Sie benötigen Wissen zu Stress und Stressvermeidung und den Regeln humaner Arbeitsgestaltung.

Was können Stressgeschädigte tun

  • sich an Kollegen/Kolleginnen wenden
  • Vorgesetzte ansprechen
  • sich an die Personalabteilung wenden
  • Beratung durch eine/n Arzt/Ärztin des Vertrauens oder Beratungsstelle nutzen