Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz

Übersicht

  • Mobbing steht für Intrigen und Schikanen am Arbeitsplatz.
  • Es gibt kein klassisches Mobbingopfer, sondern es kann jeden treffen.
  • Mobbing ist besonders in Betrieben verbreitet, die der Personalpflege wenig Beachtung schenken und auch ansonsten eher unzureichende Arbeitsbedingungen bieten.
  • Wenn der Betrieb für Beschäftigte zur Hölle wird, können KollegInnen die Täter sein, aber auch überdurchschnittlich oft Vorgesetzte.
  • Wer gemobbt wird, leidet unter erheblichen psychischen Qualen, die zu chronischen Krankheiten werden können.
  • Die Ursachen für den zunehmenden Psychoterror in den Betrieben liegen in verschärftem Konkurrenz- und Leistungsdruck sowie der Angst um den Arbeitsplatz.
  • Mobbing-Opfer sollten sich wehren und dazu soziale Unterstützung suchen.
  • Auch das Engagement von Betriebsräten gegen Mobbing ist gefordert.

Jemanden lächerlich machen, ihr oder ihm Informationen vorenthalten, tuscheln und Gerüchte streuen, und das über Wochen und Monate. Rund 1,5 Millionen Menschen erleben täglich in der Bundesrepublik diese Qualen am Arbeitsplatz.

Was ist Mobbing?

Mobbing kommt vom englischen "mob" für Meute, randalierender Haufen; "to mob" heisst pöbeln. Doch nicht jeder Krach, jede Streiterei, Schikane oder Ungerechtigkeit ist Mobbing.

Es bezeichnet die systematische Ausgrenzung und Erniedrigung eines anderen Menschen durch eine oder mehrere Personen. Diese feindseligen Angriffe geschehen mit einer gewissen Regelmäßigkeit, also mindestens einmal die Woche und über eine bestimmte Dauer, d.h. mindestens ein halbes Jahr.

Typische Mobbing-Handlungen

Nach dem Mobbing-Report der BAuA leiden Mobbing-Opfer vor allem unter folgenden Verhaltensweisen (Mehrfachnennungen möglich)

Gerüchte/Unwahrheiten 61,8 %
Arbeitsleistung falsch bewertet 57,2 %
Ständige Sticheleien und Hänseleien 55,9 %
Wichtige Informationen werden verweigert 51,9 %
Die Arbeit wird massiv und ungerecht kritisiert 48,1 %
Ausgrenzung/Isolierung 39,7 %
Als unfähig dargestellt 38,1 %
Beleidigungen 36,0 %
Arbeitsbehinderung 26,5 %
Arbeitsentzug 18,1 %

Wer sind die Täter?

Mobbing findet zwischen Kolleginnen und Kollegen statt, und es geht von Vorgesetzten gegenüber Untergebenen aus oder (selten) umgekehrt. Als Täter kommen auch Vorgesetzte und Beschäftigte gemeinsam vor.

Nach der Mobbing-Studie sind die Mobber und Mobberinnen

  • zu 38,2 Prozent Vorgesetzte
  • zu 12,8 Prozent Vorgsetzte und KollegInnen gemeinsam
  • zu 22,3 Prozent eine Kollegin oder ein Kollege
  • zu 20,1 Prozent eine Gruppe von Kollegen/Kolleginnen
  • zu 2,3 Prozent Untergebene
  • 4,2 Prozent keine Angaben

Das Risiko, von einem Vorgesetzten gemobbt zu werden, ist also fast gleichgross, wie das Risiko, dass Kollegen oder Kolleginnen die Mobber sind.

Da es jedoch weniger Vorgesetzte als Kollegen/Kolleginnen gibt, unterstreicht dies die Brisanz des Ergebnisses.

Häufig wird Mobbing von Vorgesetzten als strategisches Instrument zum Personalabbau genutzt oder zumindest toleriert. Zu den Tätern zählen besonders jene, die sich in ihrer Position und ihrem Ansehen durch andere bedroht fühlen.

Neid, Frust, Antipathie, falsch verstandener Ehrgeiz: Die Motive, weshalb es zu Mobbing kommen kann, sind vielfältig.

Wer sind die Opfer?

Opfer kann jede oder jeder sein. Jeder vierte Beschäftigte ist rein statistisch gefährdet, einmal im Verlauf seines Arbeitslebens davon betroffen zu sein. In besonderen Konstellationen wächst diese Gefahr, bspw. wenn

  • in eine seit Jahren bestehende Gruppe, jemand neu hinzukommt,
  • sich Hierarchien verändern
  • und/oder massiver Arbeitsplatzabbau droht bzw. stattfindet.

Mobbing kränkt und macht krank

Bei Mobbing-Betroffenen führen die hohen seelischen Belastungen oft zu Erkrankungen des Körpers, also zu psychosomatischen Krankheiten (wie z.B. Burnout).

Schon nach wenigen Tagen können Beschwerden auftreten. Magen- und Darmprobleme, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und depressive Verstimmungen sind die ersten seelischen und körperlichen Reaktionen auf Mobbing. Je länger das Opfer dem Mobbing ausgesetzt ist, desto stärker entwickeln sich chronische Krankheiten wie z.B. des Herz-/Kreislaufsystems, des Magen- und Darmtraktes, Atemwegs- und Hauterkrankungen usw. Häufig treten nach langen Phasen der sozialen Stigmatisierung schwere Depressionen, Medikamentenabhängigkeit oder Suchterkrankungen auf und die Suizidgefährdung steigt beträchtlich.

Nach den Ergebnissen des Mobbing-Reports erkrankten von den befragten Mobbing-Betroffenen über 36 Prozent kurzfristig und zirka jeder Dritte längerfristig, teilweise dauerte die Erkrankung über ein Jahr. Fast 20 Prozent der vom Nervenkrieg am Arbeitsplatz Zermürbten musste nach Ende des Mobbingprozesses erst mal eine Kur antreten. Rund jeder sechste begab sich in stationäre Behandlung und ein Drittel brauchte therapeutische Hilfe.

Die vier Phasen eines Mobbing-Prozesses

1. Phase
Am Anfang steht meist ein ungelöster oder schlecht bearbeiteter Konflikt.
2. Phase
An die Stelle des Konfliktes tritt die einzelne Person, die immer häufiger gekränkt wird. Ihr Selbstwertgefühl nimmt ab. Die Person gerät in die Rolle der Außenseiters.
3. Phase
Die Entwicklung eskaliert. Durch die ständigen Demütigungen ist das Opfer so verunsichert, dass darunter die Arbeit leidet. Es gilt bereits als "Problemmitarbeiter" und arbeitsrechtliche Maßnahmen drohen.
4. Phase
Mobbing-Fälle enden meistens mit dem Verlust es Arbeitsplatzes und oft sogar dem Ausschluss aus der Arbeitswelt. Entweder die Betroffenen kündigen selbst, weil sie es nicht mehr aushalten oder sie werden gekündigt bzw. willigen in einen Auflösungsvertrag ein. Teilweise leiden sie unter starken psychosomatischen Krankheiten, dass lange Krankschreibungen folgen und am Ende die Erwerbsunfähigkeitsrente steht.

Ursachen - Wer warum mobbt?

Mobbing ist Ausdruck der sozialen Verhältnisse in der Arbeitswelt. Angst um den Arbeitsplatz, Konkurrenz- und Leistungsdruck sind der ideale Nährboden, wo Mobbing "gedeiht". Auch stark hierarchische und häufig wenig transparente Unternehmensstrukturen sowie mangelhafte Führungsqualitäten von Vorgesetzten können auslösende oder verstärkende Wirkungen haben. Gemobbt wird auch, wenn eine Streitkultur fehlt, die Beschäftigte dazu befähigt, Konflikte erfolgreich anzugehen und zu lösen. Als besonders gefährdet gelten Unternehmen, die der Unternehmenskultur und speziell der Personalpflege wenig oder gar keine Aufmerksamkeit widmen. Wenn schon der Betrieb mit den Beschäftigten einen wenig sorgsamen Umgang pflegt, warum sollten sich dann die KollegInnen mit Respekt und Achtung begegnen.

Eine neue Qualität hat die Thematik auch deshalb bekommen, weil aufgrund der Arbeitsmarktlage ein Arbeitsplatzwechsel heute sehr schwierig ist, wenn der Betrieb für jemanden zur Hölle wird.

Angst und Stress am Arbeitsplatz

Wenn immer weniger Menschen, die gleiche oder mehr Arbeit schaffen müssen, dann wird Überforderung zum Dauerbrenner. Die angespannte Situation auf dem Stellenmarkt erzeugt bei den verbliebenen Beschäftigten eine hohe Stressbelastung und existenzielle Ängste.

Die weit verbreitete Ellenbogenmentalität und unfaires Miteinander scheinen nicht wenigen legitime Mittel im Kampf um den Arbeitsplatz zu sein.

Massnahmen für Betroffene

  • Kummer über Kränkungen nicht in sich hineinfressen.
  • Gerade wenn der ursprüngliche Konflikt noch nachvollziehbar ist, kann versucht werden mit dem Mobber bzw. der Mobberin ein Gespräch zu führen.
  • Vor allem für Rückendeckung bei KollegInnen und/oder Vorgesetzten sorgen, den Betriebsrat einschalten.
  • Auch der Betriebsarzt, die Sicherheitsfachkraft und der Ausschuss für Arbeitsschutz sind Ansprechpartner.
  • Beratungsangebote von aussen (Mobbing-Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen) wahrnehmen

Möglichkeiten für Kollegen und Kolleginnen

Wichtig ist, dass eine möglichst frühe Intervention stattfindet. Wer zuschaut wie andere mobben, macht sich selbst mitschuldig. Gespräche im Kollegenkreis können Problembewusstsein wecken. Es erfordert viel Zivilcourage allein gegen Mobber aufzutreten. Zumindest kann der Betriebsrat oder je nach Einzelfall auch der Vorgesetzten informiert werden. Mobbingopfer benötigen soziale Unterstützung. Mobber werden um so eher in ihre Grenzen gewiesen, je höher für sie selbst die sozialen Kosten weiteren Mobbings ausfallen.

Handlungsmöglichkeiten für Personalabteilungen & Manager

  • Aufklärungsarbeit leisten und die Mobbing-Prävention vorantreiben.
  • Bei Mobbing-Fällen unter Kollegen/Kolleginnen sich als Vermittler anbieten.
  • Sind Vorgesetzte beteiligt, den Beschäftigten zu einem klärenden Gespräch begleiten.

Das Gesetz verbietet jegliche Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund von Alter, Geschlecht, Rasse und anderer persönlicher Besonderheiten. Aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ergibt sich auch die gesetzliche Verpflichtung, gegen Mobbing vorzugehen und vorbeugend tätig zu werden. Es empfiehlt sich, eine Betriebsvereinbarung zur Mobbing-Prävention abzuschliessen. Die Einrichtung einer innerbetrieblichen Beschwerdestelle ist sinnvoll.