Psychische Belastung

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz

Übersicht 

  • Die Leistungsanforderungen in den Betrieben werden ständig härter.
  • Immer mehr spielen psychische Faktoren bei der Arbeit eine Rolle.
  • Zum Gesundheitsschutz gilt es Unter- und Überforderung zu vermeiden.
  • Psychische Fehlbelastung schädigt auf Dauer den Organismus.
  • Arbeitsschutzgesetz und Bildschirmarbeitsverordnung fordern den Schutz vor psychischen Belastungen.
  • Geschäftsführer und Manager können dafür sorgen, dass diese bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden

Die Arbeitsanforderungen verändern sich. Zeitvorgaben werden enger, Arbeitstempo und Qualitätsansprüche steigen, Leistung wird auch im Büro gemessen, Verantwortung wächst. Eine fast ständige Verfügbarkeit gilt als normal und der Druck des Marktes wird immer mehr an den einzelnen weitergegeben.

Psychische Belastungen rücken immer mehr ins Blickfeld

Die auf den Menschen in der Arbeit einwirkenden Belastungen verschieben sich von den körperlichen hin zu vorrangig psychischen Anforderungen. Für die einen wird die Arbeit gleichförmiger bis zum Verdruss, für andere alterhöht sich enorm ihre Komplexität. Psychische Belastungen wie Terminhetze, hohe Arbeitsintensität und Verantwortungsdruck haben in den letzten fünf Jahren in rund 90 Prozent aller Betriebe stark zugenommen. Eine Umfrage unter Arbeitsschutzexperten ergab, dass Zeitdruck, schlechtes Führungsverhalten und Angst vor Arbeitslosigkeit massgebliche Faktoren sind, die zu psychischen Fehlbelastungen führen. Die Zahl der Krankheitstage auf Grund psychischer Störungen ist in den letzten Jahren teilweise um 50 Prozent gestiegen, wie Analysen von Krankenkassen zeigen. Psychische Erkrankungen sind inzwischen immer häufiger der Grund für Frühpensionierungen. Dadurch entstehen enorme betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten.

Was sind psychische Belastungen?

Psychische Belastungen sind die von aussen auf die Psyche einwirkenden Faktoren. Diese ergeben sich aus den Arbeitsbedingungen, bspw.:

  • der Arbeitsaufgabe (Art und Umfang der Tätigkeit)
  • der Arbeitsumgebung (z. B. Lärm)
  • der Arbeitsorganisation (z. B. Arbeitszeit, Arbeitsabläufe)
  • den sozialen Komponenten (z. B. Führungsstil, Betriebsklima)
  • den Arbeitsmitteln (z. B. Software)

Individuelle Auswirkungen

Psychische Vorgänge im Menschen sind all diejenigen, die mit Wahrnehmen, Denken, Erinnern, Erleben, altEmpfinden und Verhalten zu tun haben. Wie sich psychische Belastungen auf den einzelnen Menschen auswirken, wird als psychische Beanspruchung bezeichnet. Diese Auswirkungen sind nicht ausschliesslich auf die Stärke und Dauer der Belastung zurückzuführen, sondern hängen auch von individuellen Faktoren wie körperlicher und seelischer Verfassung ab. Wie ein Mensch Belastungen bewältigt, die aus der Arbeit resultieren, darüber entscheiden die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Positive Effekte, wenn die Balance stimmt

Beschäftigte können durch die psychische Beanspruchung ihre Arbeit als abwechslungsreich und anregend empfinden, weil sie Erfolgserlebnisse haben und sich weiterentwickeln können. Ein Zustand optimaler Funktionstüchtigkeit entsteht, wenn die Anforderungen weder zu hoch noch zu niedrig liegen.

Fehlbeanspruchung durch Über- oder Unterforderung

altWird der einzelne Mensch jedoch über- oder unterfordert, so führt die psychische Belastung zu Fehlbeanspruchung. Überforderung versetzt die Betroffenen in einen Alarmzustand. Es entsteht innere Anspannung, Angst, Nervosität, Erschöpfung usw. Unterforderung erzeugt Langeweile und Unlust. Das Ungleichgewicht von Belastungen und Bewältigungsmöglichkeiten äussern sich durch:

 

  • psychische Ermüdung
  • ermüdungsähnliche Zustände wie Monotonie und psychische Sättigung
  • sowie Stress

 

Formen psychischer Fehlbeanspruchung

1. Was ist Stress?

altStress ist ein Ungleichgewicht von Anforderung und verfügbaren Mitteln, um sie zu bewältigen. Körper und Geist reagieren darauf mit der Bereitstellung eines Höchstmasses an Energie, je nachdem wie der auslösende Stressor und die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten in der Stresssituation bewertet wird. Die durch das vegetative Nervensystem gesteuerten Veränderungen der Körperfunktionen (Hormone, Energieumsatz, Blutdruck, Muskeltonus, Immunsystem etc.) benötigen immer eine Erholungsphase - auch dann wenn der Stress anregend erlebt wird.

Chronischer Stress führt zu körperlichen oder seelischen Erkrankungen.

2. Was ist psychische Ermüdung?

Die Betroffenen müssen sich immer mehr anstrengen, um die geforderte Leistung zu erbringen. Sie fühlen sich müde und erschöpft.

altFehler nehmen zu und die Qualität der Arbeit leidet darunter. Ermüdung entsteht bspw. durch überlange Arbeitszeiten, Nacht- und Schichtarbeit und zu wenig Pausen. Auch hoher Verantwortungsdruck und Informationsüberflutung kann dazu führen. Wenn sich Belastung und Erholung über längere Zeit nicht die Waage halten, kommt es zu chronischer Ermüdung. Wer ständig am Rand der Erschöpfung lebt, riskiert ernsthaft und chronisch krank zu werden.

Gegenstrategien zur Verminderung der Ermüdung:

  • Die Intensität und Dauer der Arbeitsbelastung reduzieren
  • Die Verteilung der Arbeitszeit z.B. durch die Einführung von Kurzpausen verändern. Mehrarbeit bzw. Überstunden durch Freizeitausgleich kompensieren.
  • Nacht- und Schichtarbeit nach arbeitswissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen gestalten
3. Was sind ermüdungsähnliche Zustände?

Darunter leiden Menschen, die abwechslungsarme Tätigkeiten ausführen, die sich in drei Arten unterscheiden:

  • Monotonie
  • herabgesetzte Wachsamkeit und
  • psychische Sättigung.
3.1. Monotonie

Der Zustand der Monotonie entsteht durch langandauernde, einförmige und sich wiederholende Arbeitsaufgaben. Das menschliche Arbeitsvermögen ist qualitativ unterfordert. Monotonie geht häufig mit Schläfrigkeit, Müdigkeit, Leistungsabfall und -schwankungen einher.

Beispiele für Gegenmassnahmen:

  • Mehr Abwechslung in die Tätigkeit bringen (z. B. durch Job Rotation)
  • Arbeitsinhalte erweitern (z. B. durch "Job Enlargement") oder anreichern (z.B. durch "Job Enrichment")
  • Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten der Beschäftigten fördern
  • Arbeitsumgebung ergonomisch gestalten
3.2. Herabgesetzte Wachsamkeit (Vigilanz)

Sie tritt vorwiegend bei abwechslungsarmen Beobachtungstätigkeiten (z. B. Anlagenüberwachung) auf. Je länger diese Arbeit dauert und je seltener aktive Eingriffe verlangt werden, desto massiver entsteht dieser Zustand.

Beispiele für Gegenmassnahmen:

  • Passive Beobachtungstätigkeiten zeitlich begrenzen
  • Erholungspausen einführen oder andere Aufgaben zuteilen, die Aktivität erfordern
  • Technische Arbeitmittel ergonomisch gestalten
3.3. Psychische Sättigung

Dies kennzeichnet einen Zustand der Nervosität und Unruhe sowie der Ablehnung einer sich wiederholenden Tätigkeit oder Situation. Es herrscht das Gefühl des "Auf-der-Stelle-Tretens" oder des "Nicht-weiter-Kommens". Weitere Symptome sind Empfindungen von Ärger und Überdruss sowie die Tendenz sich zurückzuziehen. Deutlicher Leistungsabfall ist die Folge.

Beispiele für Gegenmassnahmen:

  • Möglichkeiten zur Rückmeldung über die geleistete Arbeit schaffen
  • Transparenz in den Arbeitsablauf bringen, um so das Bewusstsein für den Sinn der eigenen Tätigkeit im Gesamtzusammenhang zu stärken
  • Für mehr Chancen zu Mitsprache und Beteiligung der Beschäftigten sorgen
Langfristige Folgen psychischer Fehlbeanspruchung

Häufig beeinträchtigende Beanspruchungen im Arbeitsprozess können langfristig zu gesundheitlichen Beschwerden und Krankheiten führen. Auftreten können z.B.:

  • Herz-/Kreislauferkrankungen
  • Magen- und Darmbeschwerden und - erkrankungen
  • Muskel- und Skeletterkrankungen
  • psychische Störungen (z.B. Depressionen, Neurosen, Nervosität, Angstzustände, Konzentrationsstörungen, Suchtverhalten u. a.)
  • Hörsturz
  • ein schwaches Immunsystem (begünstigt Infektionskrankheiten wie Erkältungen aber auch Krebs).
  • Auch Kopf- und Migräneattacken sowie Rückenschmerzen können auf psychische Fehlbelastung zurückgehen.

Folgen für das Unternehmen

Wenn das Wohlbefinden leidet, hat dies Folgen:

  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Kreativität
  • sinkende Arbeitsproduktivität
  • mangelhafte Arbeitsqualität
  • hoher Krankenstand
  • schlechtes Betriebsklima

Effekte wie Mobbing am Arbeitsplatz oder Burnout treten auf. Wird erst dann reagiert, sind bereits unnötige "Kosten" entstanden.

Psychosomatische Reaktionen bei hohen psychischen Belastungen

Folgen für die Organe:

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