Burnout = Depression?

Burnout = Depression?

Viele sind der Meinung, dass Burnout einfach eine Depression ist. Falsch! Ein Burnout verläuft in 7-12 Phasen. Betrachtet man das 12-Phasen-Modell, so tritt eine Depression "erst" in der Phase 11 auf.

Zu beachten ist jedoch, dass eine Burnout-Depression nicht identisch mit einer "klassischen" Depression ist.

Definition: Depressive Störungen betreffen den Bereich der Gefühle im psychischen Erleben (Störungen des Gemütes). Sie äussern sich individuell sehr unterschiedlich und sind multifaktoriell bedingt.

 

Das Burnout-Syndrom ist häufig von "Burnout"-Depressionen begleitet

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Die Burnout-Depression hängt damit zusammen, dass Sie den Kontakt zu sich selbst verloren und Ihre Bedürfnisse über lange Zeit verleugnet haben. Dadurch verändern sich Ihre Gefühlswelt und Ihre Wahrnehmungen, weil Sie sich mit der Unfähigkeit konfrontiert sehen, Ihren Ansprüchen und Erwartungen zu genügen. Auch bei der Burnout-Depression handelt es sich durchaus um einen Verlust oder Verrat, da hier das idealisierte Selbstbild nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Eine weitere Möglichkeit Depressionen von der Burnout-Depression zu unterscheiden liegt darin, dass die Melancholie die Gefühlslage der Betroffenen immer und überall beeinträchtigt, während sich die Burnout-Depression immer zuerst im Bereich der Überforderung zeigt und sich erst in späteren Phasen auf das gesamte Erleben auswirkt.

Zum Beispiel kann man zuerst über der Arbeit ausbrennen und völlige Lustlosigkeit und Desinteresse entwickeln, dagegen aber bei Treffen mit Freunden noch Spass haben und aufblühen.

Bei vielen Burnout-Patienten kommt es zu Depressionen. Depression ist eine Krankheit und muss professionell behandelt werden.

 

Symptome/Merkmale bei "klassischer" Depression

  • Gedrückte Stimmung ungewöhnlichen Ausmasses
  • Interessenverlust unf Unfähigkeit zur Freude
  • Verminderung des Antriebs und gesteigerte Ermüdbarkeit
  • Innerlich erstarrt, man fühlt sich leer
  • Fehlende Entschlusskraft
  • Selbstvorwürfe, -schuld
  • Geistig blockiert

Auswirkungen Depression

  • Angst/Unruhealt
  • Sexuelle Empfindungen treten nicht mehr auf
  • Körperliche Schwäche
  • Druckgefühl im Brustbereich
  • Kopfschmerzen (diffus, dumpf, drückend)
  • Allgemeine körperliche Abgeschlagenheit
  • Arbeits-/Leistungsunfähigkeit (Haushalt)
  • Vernachlässigung von Schlaf
  • Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse

Ursachen Depression

  • seelisch
  • körperlich
  • biologisch (vererbt)

Verhalten des sozialen Umfeldes von depressiv Kranken

  • Gut zureden sich aufzuraffen hilft oft wenig, da der Kranke es ohnehin schon selbst nicht schafftalt
  • Keinen platten Trost schenken
  • Evtl. Entscheidungen abnehmen, mit denen der Kranke überfordert ist
  • Bei Körperpflege unterstützen oder dazu animieren
  • Verständnis für schwindende sexuelle Gefühle zeigen
  • Keine Vorwürfe machen

Therapie bei Depression

  • Seelische Therapie (Psychotherapie)
  • Verhaltenstherapie
  • Wachtherapie
  • Lichttherapie
  • Nutzen-/Aktivtherapie
  • Aufenthalte in psychosomatischen Kliniken (z. B. Klinik Gais AG, 9056 Gais AR)

Unterstützung durch Psychopharmaka

  • Einsatz von Beruhigungs- und Schlafmittel, z. B. Benzoediazepine
  • Antidepressiva1

 


1 Antidepressiva wirken stimmungsaufhellend (thymoleptisch) und können

  • antriebssteigernd (thymeretisch)
  • antriebsneutral oder
  • antriebsdämpfend sowie
  • beruhigend (sedierend) und angstlösend (anxiolytisch) wirken.

Bei einer Vielzahl von Antidepressivatypen entfaltet sich die volle Wirkung erst nach einigen Tagen bis Wochen kontinuierlicher Einnahme. Grund dafür ist die neurophysiologische Adaption des Gehirngewebes, die eine gewisse Zeit beansprucht. Dazu gehören Veränderungen in der Empfindlichkeit und Dichte von Rezeptoren und ähnlicher Strukturen (Transporter) (vgl. Kompensatorische Adaptionsmechanismen). Die nachhaltige Besserung tritt also indirekt aufgrund von zellulären Anpassungsprozessen unter episodenhaft konstantem Wirkstoffspiegel auf.

Antriebssteigernde Antidepressiva können zu Behandlungsbeginn einen Hang zur Selbsttötung verstärken, weil die antriebssteigernde Wirkung oft vor der Stimmungsaufhellung einsetzt. Es ist sehr zu empfehlen, eine Behandlung mit Antidepressiva einschleichend zu beginnen und ausschleichend zu beenden.

Grundsätzlich können Antidepressiva unabhängig von der Schwere einer Depression eingesetzt werden. Die durchschnittliche Responderquote (Ansprechen auf das Medikament) liegt bei etwa 70%, wobei gerade bei Depressionen psychodynamische Faktoren eine grosse Rolle spielen und es damit z. B. schwierig machen, die Placebowirkung eindeutig herauszufiltern.

Antidepressiva ersetzen normalerweise keine Psychotherapie, können aber möglicher Weise im Falle von schweren Depressionen eine solche erst ermöglichen, da in diesen Fällen die als Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie notwendige Ansprechbarkeit sonst oft nicht gegeben ist.

 

Vorsicht beim Absetzen von Antidepressiva!

Konsultieren Sie unbedingt vorher Ihren Arzt, da ein abruptes Absetzen von Antidepressiva massive psychische und physische Entzugserscheinungen zur Folge haben kann. Sollte dies nicht möglich sein, notieren Sie sich genau Ihre Entzugserscheinungen auf dieser Checkliste.